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Hausmarken

Grabkennzeichnung und Besitzmarkierung

Hausmarken, aus geraden Linien zusammengesetzte, imposante Gebilde, waren viele Jahrhunderte in Gebrauch. In ihrer ursprünglichen Form linearen Charakters, wurden sie meist von ungeübten Händen in jedes zur Verfügung stehende Material geschnitzt, gebrannt oder gemeißelt. Die Hiddenseer Hausmarke stand nicht für persönlichen Besitz und war kein persönliches Zeichen. Sie kennzeichnete jeweiliges Eigentum oder half öffentlich-rechtliche Belange zu regeln.

Hausmarken

Die Hausmarke wurde möglichst, aber nicht zwingend durch blutsverwandtschaftliche Vererbung weitergegeben, sie verblieb aber seit jeher am Haus. Geriet das Haus durch Kauf in familienfremde Hände, so übernahm der neue Besitzer auch die Hausmarke. Wenn heute einige Hausmarken nicht mehr vorhanden sind, dann existieren die betreffenden Häuser nicht mehr. Die Verwendungsarten der Hausmarken waren verschieden. Zum einen sollte der bewegliche (wie Haustiere oder Boote) und der unbewegliche Besitz (wie Haus oder Acker) gekennzeichnet werden, um Verwechslungen zu vermeiden. Zum anderen diente die Hausmarke als Ersatz für eine Unterschrift und zur Kennzeichnung von Grabstätten.

Die ältesten noch erhaltenen und mit Hausmarken gekennzeichneten Grabsteine sind aus dem Achtzehnten Jahrhundert. So meißelten die Einwohner in passende, am Strand gefundene Granit- oder Sandsteinfindlinge Hausmarken mit der Jahreszahl ein. Die Hausmarke der jeweiligen Familie und manchmal noch das Todesjahr genügten.

Auf dem Hiddenseer Friedhof haben über Jahrhunderte hinweg einfache Menschen ihre Angehörigen begraben. Fast immer zierte den Grabstein eine Hausmarke. Außerdem liegen viele Gaus, Schlucks, Schliekers, Gottschalks, Witts und Striesows in den Grabreihen des sanft gewellten Friedhofes neben berühmten Persönlichkeiten. Viele mit der Insel verbundene Künstler fanden auf eigenen Wunsch dort ihre letzte Ruhestätte.

So auch Gret Palucca (1902-1993), deren Urne von Insulanern auf dem Friedhof in Kloster beigesetzt wurde. Ihr unscheinbares Grab schmückt lediglich ein Findling mit der Inschrift PALUCCA. Doch Blumen und Steine künden davon, daß dieser abgelegene Ort schon fast zu einer Wallfahrtstätte für Menschen geworden ist, die die Tänzerin verehren.

Der Dichter Gerhart Hauptmann (1862-1942) fand seine letzte Ruhestätte auch auf Hiddensee. Er starb in Agnetendorf in Schlesien, wurde mit einigen Schwierigkeiten, aber erfolgreich nach Hiddensee befördert und am 28. Juli 1946 auf dem Inselfriedhof bestattet.

Weitere berühmte Persönlichkeiten wie der Künstler Oskar Kruse (1847-1919) oder der Regisseur und spätere Intendant der Komischen Oper in Berlin, Walter Felsenstein (1901-1975) sind auf dem Inselfriedhof beigesetzt worden. Im Gegensatz zu der schlichten Grabstätte der Palucca wirkt das beeindruckende Familiengrab der Felsensteins gigantisch.

Am nördlichsten Rand des Inselfriedhofes befindet sich das Grab des ersten Direktors der 1948 in Kloster eingerichteten Vogelwarte: Hans Schildmacher (1907-1975).
Die Gräber sind fast durchgehend mit grünen Büschen eingerahmt. Das verleiht der gesamten Anlage eine inselgemäße Natürlichkeit. Die ältesten Grabsteine, die auf dem historischen Gräberfeld zu sehen sind, zeigen, daß schlichte Mittel ausreichen mußten, um ein Grab zu markieren.

Wann und wie die Hausmarken auf Hiddensee entstanden sind, ist bis heute Gegenstand der Forschung. Fest steht allerdings, daß die Verwandtschaft mit Runen, wenn überhaupt, nur sehr entfernt ist und daß die Hausmarken schon 1530 in Gebrauch waren. Oft haben die Marken in Anlehnung an bestimmte Gerätschaften, die der Form der Marke gleichen, besondere Bezeichnungen (wie Anker oder Sturmbak).

Auch die Weiterentwicklung der Hausmarken ist einem Reglement unterworfen. Blieb das Haus durch reguläre Vererbung in der Familie, so bekam ein Kind das Haus mit dazugehöriger Marke. Teilte ein anderes Kind mit dem Einverständnis des Vaters und des Erben das Familiengrundstück und baute sich darauf ein eigenes Haus, konnte die Hausmarke, allerdings um eine kleine Ergänzung reicher, benutzt werden.

Heute sind Hausmarken zwar nicht mehr in Gebrauch, aber vielfach werden sie als Schmuckelement sichtbar an den Häuserwänden angebracht und erinnern so an diese alte Sitte. Gerade in den letzten Jahren besannen sich viele junge Insulaner wieder auf die Hausmarken-Tradition und führten dieses Erbe fort. Weil sich die innere Struktur der südlichsten Ortschaft Neuendorf am wenigsten verändert hat, ist da das ganze Hausmarkenwesen wohl am ursprünglichsten erhalten geblieben.