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Elisabeth Büchsel

Die Malerin von Hiddensee

Elisabeth Büchsel (1867-1957) begann schon sehr früh zu malen. Sie versuchte sich gestalterisch in der Schule auf der Schiefertafel, später mit Bleistift auf Papier. In den oberen Klassen der Schule gab es einen verständnisvollen Förderer ihrer Begabung, ihren Zeichenlehrer. Enttäuscht wurde sie am Ende ihrer Schulzeit, denn ihre Eltern untersagten ihr das Studium der Malerei, weil Mädchen aus wohlhabenden Kreisen keinen Beruf zu ergreifen hatten. Zudem war Frauen der Zutritt zu Kunstakademien verwehrt.

Elisabeth Büchsel

Mit ihrer Volljährigkeit fand sie durch Studienreisen und längeren Aufenthalten in Malklassen fortschrittlicher Kunsthochschulen doch noch einen Weg, ihrer Malleidenschaft nachzukommen. Durch Stundengeben und Portraitaufträge verdiente sie das notwendige Geld, um nach Berlin, durch ganz Deutschland, Italien und Paris reisen zu können. In Paris, der damaligen Welthauptstadt der Kunst, fand die junge, moderne Frau ihren Stil.

Die später als Hiddensee-Malerin bekannte Künstlerin schlug kurz nach der Jahrhundertwende 37jährig ihr Lager auf der Insel auf, wohnte bei Fischern, lebte mit diesen und verstand es hinreichend, mit ihren neumodischen Anwandlungen die Hiddenseer in Erstaunen zu versetzen. Sommer für Sommer, oft bis tief in den Herbst hinein, brachte sie auf Hiddensee zu. Ihre Bilder sind erfüllt von dem ungeheuren Reichtum der Hiddenseer Natur. Zahllos sind die ruhigen Fischer- oder Kinderbilder, die ihr Können hervorheben.

Unermüdlich strich sie mit ihrem Malgerät über die Insel. Bekannt wurde die Büchsel durch ihre großartige Begabung, auf ihren Bildern Landschaften und Menschen stimmungsvoll darzustellen: die Fischer beim Netzflicken, die Frauen auf dem Feld, die Hiddenseer Kinder beim Spiel. Die Stralsunderin nahm morgens gern ein erquickendes Bad im Meer, was die Einheimischen erheblich irritierte. Die schlimmsten Krankheiten prophezeiten sie ihr, ob ihres Leichtsinns. Aber sie verstand und sprach nicht nur die plattdeutsche Sprache, sondern auch die Art und Eigenart der Hiddenseer.

Zehn Jahre gehörte die Büchsel dem "Hiddenseer Künstlerinnenbund" an, von seiner Gründung 1922 bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933. Die systematische Demontage des Bundes und das tragische Schicksal ihrer Gründerinnen Henni Lehmann (nahm sich 1937 das Leben) und Clara Arnheim (wurde 1942 im Konzentrationslager ermordet) blieben ein Trauma der alternden Künstlerin.

Mehr als ein halbes Jahrhundert verbrachte die Büchsel einen großen Teil des Jahres auf Hiddensee. Ihre Portraits der Einwohner sind heute noch in einigen Hiddenseer Häusern zu finden. Dichter und Schauspieler, Musiker und Gelehrte zählte sie zu ihren Gästen; im Winter auch in der Stralsunder Wohnung der Künstlerin. Zu ihren Hiddenseer Bekanntschaften gehörte unter anderem der Schauspieler Otto Gebühr (1877-1954), den sie bald portraitierte. Die kleine energische Frau liebte das Leben und die Malerei.

Im Nu konnten an die zwanzig Menschen Kaffee trinkend, singend und plaudernd um sie herum vor ihrem Vitter Quartier sitzen. Ebenso wurde sie von dem geselligen Treiben auf der "Lietzenburg" um Familie Kruse angezogen. Einige Male bekam sie wohl auch von Gerhart Hauptmann zur abendlichen Runde im Haus "Seedorn" eine Einladung.

Die Einfachheit ihrer Lebensführung wurde bestaunt. Sie lebte höchst bescheiden, war niemals auf Hilfe von anderen angewiesen und verschwand, wenn sie als Gast geladen war, wann es ihr paßte. Den Einmarsch der Sowjetarmee erlebte die Malerin ungerührt auf der Insel. Sie ließ sich nicht stören beim Portraitieren eines Hiddenseer Kindes.

Im Sommer 2000 gelang es dem Hiddenseer Heimatmuseum durch private Spenden, das 1951 von der 84jährigen Künstlerin geschaffene Ölgemälde ABENDMAHL IN DER INSELKIRCHE AUF HIDDENSEE zu erwerben. Eindrucksvoll setzte die Büchsel hier einen alten Fischer mit seiner Frau vor dem Altar und dem Pastor Gottfried Mühlenbeck in Szene.

Wenn Sie neugierig geworden sind, besuchen Sie unsere Galerie zu Elisabeth Büchsel.