Zum Artikel springen

Heimatmuseum

Früher Seenotstation - heute Heimatmuseum

Karl Ebbinghaus (1915-2001), aus Westfalen stammend, lernte den Beruf des Schlossers, bevor es ihn 1940 als Soldat nach Mecklenburg Vorpommern verschlug. Er lernte auf Hiddensee seine Frau Hilda kennen und gründete mit ihr bald eine Familie. Doch der Krieg schrieb eine andere Geschichte, Familienleben war vorerst nicht möglich.
Schwer typhuskrank wurde er 1945 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen und sah seine Angehörigen etwa ein halbes Jahr später auf Hiddensee wieder.

Heimatmuseum

1946/1947 arbeitete er zunächst als Leuchtturmwärter. Dann versuchte er sich als Selbständiger. Bis zu einem den Laden vollkommen zerstörenden Brand 1952 verkaufte er mit seiner Frau dort selbstgefertigtes Kunsthandwerk. Er begann früh, Traditionen und Brauchtum der Insulaner, das sich über Jahrhunderte erhalten hatte, zu dokumentieren.

Dadurch wurde die Idee der Schaffung eines Museums geboren. Unterschiedliche Spenden ermöglichten dem engagierten Wahlhiddenseer den Aufbau des Heimatmuseums in Kloster, als dessen Leiter er bis 1975 arbeitete. An einem zentral gelegenen Strandaufgang von Kloster, in der alten, 1888 entstandenen Seenotstation, erzählt das 1954 daraus erbaute Museum vom Leben der Einheimischen in Vergangenheit und Gegenwart.

Durch Karl Ebbinghaus motiviert, trug eine Interessengemeinschaft der Hiddenseer Einwohner viele Informationen zusammen. Im oberen Raum wird die geologische und geschichtliche Entwicklung Hiddensees dargestellt. Dort befindet sich auch die Kopie des berühmten Hiddenseer Goldschmuckes. Der untere Raum des Museums beherbergt die Darstellung des örtlichen Seenotrettungsdienstes, des Naturschutzes und der Flora und Fauna der Insel.

Seit einigen Jahren gibt es hier auch ein eigenes Bernsteinzimmer, in dem Funde von Hiddenseer Bernsteinfischern ausgestellt sind. Seit 1956 zeichnete sich Ebbinghaus auch für die Hauptmann-Gedenkstätte verantwortlich. Darüber hinaus baute er über Jahrzehnte ein Archiv zur Geschichte der Insel und ihrer Bewohner auf, das bis heute einen unschätzbaren Wert darstellt. Er verarbeitete seine Erkenntnisse auch in wissenschaftlichen Publikationen, die noch heute in der Fachwelt Anerkennung finden.

Für den Hiddensee-Besucher gehört das Heimatmuseum in Kloster zu einem der Anziehungspunkte der Insel. 1999 wurde es erweitert und ist jetzt auch im Winter an den Wochenenden geöffnet. Wechselnde Ausstellungen von Künstlern, die eine Verbindung zu Hiddensee hatten oder haben, bereichern das feste, dauerhafte Repertoire.

Ein vermutlich schwedischer Reserveranker eines 800 bis 1000 Tonnen-Segelkriegsschiffes verfing sich 1975 im Netz der Fischer Karl und Günter Kollwitz aus Vitte. Er wurde 1987 aus Spendenmitteln der Besucher des Heimatmuseums erworben.

Seitdem ziert der dreihundert Jahre alte Anker den Platz vor dem Hiddenseer Museum. Im Sommer 2003 konnte dieses wertvolle Fundstück endlich restauriert werden. Durch die Hilfe des Bildhauers Jo Harbort, der die Holzteile des Ankers erneuerte, der Hiddenseer Reederei, die den Transport des schweren Eisenholzträgers sponserte und des Fischers Karl Kollwitz, der alle notwendigen Arbeiten am Metall vornahm, kann der Schiffsanker weiterhin vor dem Inselmuseum betrachtet werden.